Müsliriegel gelten für viele als der gesunde Snack für zwischendurch. Sie sorgen mit energievollen Kohlenhydraten für den Antrieb zur Überbrückung des Tiefs zwischen den einzelnen Mahlzeiten. Allgemein verbreitet ist die Annahme, sich etwas Gutes zu tun, wenn man statt Chips oder Schokolade auf diesen Snack zurückgreift. Öko-Test hat die vermeintlich gesunden Energielieferanten unter die Lupe genommen – mit erschreckenden Ergebnissen.

Insgesamt wurden 20 verschiedene Müsliriegel auf Getreidebasis getestet, darunter Produkte der Marken Corny, Ja!, Crownfield (Lidl), Knusperone, Seitenbacher und Mymuesli.  Etwa die Hälfte davon schnitt mit „mangelhaft“ oder gar „ungenügend“ ab.

Mineralölrückstände, Pestizide und jede Menge Zucker im „gesunden“ Snack

Fast ein drittel der getesteten Riegel – darunter auch 4 Bioriegel – weist Mineralölrückstände und krebserregende Substanzen auf. Es handelt sich dabei unter anderem um MOAH. Diese gesättigten Kohlenwasserstoffe setzen sich in Fettgewebe und Organen, darunter Leber und Milz, fest. Es ist nicht geklärt, wie diese und die Mineralölbestandteile in die Riegel gelangen. Man geht davon aus, dass sie während der Ernte der einzelnen Bestandteile, dem Produktionsprozess oder dem Transport mit den ungesunden Stoffen in Kontakt kommen. Es liegt in der Hand des Herstellers, die Kontaminationsquelle zu identifizieren und zu beseitigen.


fructophan bei fructoseintoleranz

Neben Mineralölbestandteilen wurden auch das Pestizid Glyphosat und Bienengifte in den Produkten gefunden. Glyphosat, das in zwei Riegeln nachgewiesen werden konnte, wird von der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC als vermutlich krebserregend deklariert. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA schließt sich diesem Urteil nicht an, vermutet aber, dass Glyphosat schwere Augenschäden hervorrufen kann. Darüber hinaus wurden zahlreiche andere Pestizide in den verschiedenen Müsliriegeln entdeckt. Auch wenn die nachgewiesenen Mengen vermutlich ungefährlich sind, gehören Pestizide aber natürlich absolut nicht in Lebensmittel.

Die Prüfung auf Mineralölrückstände und MOAH sorgte dafür, dass 9 von 20 Müsliriegel den Öko-Test nicht bestanden. Nur fünf Müsliriegel konnten überzeugen und erhielten die Bewertung „sehr gut“, vier schnitten mit „gut“ ab. Die Noten „befriedigend“ und „ausreichend“ wurden jeweils einmal verteilt.

Aber nicht nur die Schadstoffe stellen ein Problem in den getesteten Müsliriegeln dar. Der Zuckergehalt war ebenfalls ein Bewertungsfaktor. Denn auch Zucker kann – in großen Mengen – ungesund sein. Müsliriegel enthalten insbesondere Glukose-Fructose-Sirup, Gerstenmalzextrakt, Fruchtdicksaft, Sirup oder Trockenfrüchte. Laut Ergebnis bestehen einige der Riegel zu bis zu 44 Prozent aus Zucker. Nicht nur für Menschen mit Fructoseintoleranz ein No-Go.

Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät Erwachsenen zu einem täglichen Maximum von 25 Gramm Zucker. Ein Riegel, der mit nur 50 Gramm bereits die Hälfte dieses Zuckerbedarfs abdeckt, enthält deutlich zu viel Zucker. Dazu gehören Müsliriegel mit Schokolade und Banane, aber auch einige ohne Schokolade.

Schokolade oder Müsliriegel – der Vergleich

Die Frage die sich stellt: Ist der Müsliriegel weiterhin die gesündere Alternative zur Schokolade? Klar ist: Durch viele komplexe Kohlenhydrate, die langsam zu Traubenzucker verarbeitet werden, liefert ein Müsliriegel im Vergleich zur Schokolade langfristig Energie. Außerdem enthalten Müsliriegel Ballaststoffe, Schokolade nicht. Wie viele das genau sind, ist bei den meisten Riegeln nicht nachweisbar, da der Hinweis auf der Verpackung gesetzlich nicht verpflichtend ist. Mehr als in Schokolade sind es aber ganz gewiss. Auch wenn der Müsliriegel also lange nicht so gesund ist, wie viele vermuten, ist er also immer noch die gesündere Alternative zur Schokolade. Es ist jedoch wichtig, den Verzehr nicht zu übertreiben. Wer einen wirklich gesunden Snack für zwischendurch sucht, der sollte Nüsse und kleine Mengen an fructosearmen Obstsorten bevorzugen.

 

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