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Vorsicht vor IgG Selbsttest

Vorsicht vor den IgG Tests: Geldmache mit Placebo-Effekt

Sind die Symptome da, dann sehnt man sich nach nichts mehr als Besserung bzw. Gewissheit. Der Gewissheit, ob es sich um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit handelt oder nicht. Auch wenn eine Nahrungsmittelintoleranz das Leben auf den ersten Blick vielleicht kompliziert macht, ist es doch besser zu wissen, wo man dran ist. Denn nur dann kann man die Essgewohnheiten so umstellen, dass man von unangenehmen Symptomen verschont bleibt.

Verlockende Angebote mit nichtssagendem Ergebnis

Verlockend sind da Angebote im Internet, die eine schnelle und eindeutige Diagnose versprechen. Sie verkaufen Tests zur Selbstdiagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, sie verkaufen die Hoffnung auf Besserung und eine schnelle Diagnose. Ganz einfach soll es gehen: Ein Pikser in den Finger, ein paar Tropfen Blut, einsenden und schon kommt die Antwort per Liste. Per unendlich langer Liste, die die Lebensmittel auflistet, die man angeblich nicht verträgt.

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IgG Bluttest – so funktionierts

Im Detail funktioniert der Bluttest wie folgt: Es wird das Vorkommen bestimmter Antikörper im Blut gemessen. Man nennt sie Immunglobulinen G, kurz IgG. Kommt der Organismus mit körperfremden Stoffen in Berührung, so bildet er diese IgG. Die Anbieter der Tests kontrollieren, ob IgG gegen bestimmte Nahrungsmittel im Blut zu finden sind und erklären dieses Nahrungsmittel für den Betroffenen als nicht verträglich.

Diese Vorgehensweise ist einfach und falsch. Denn laut Experten ist es ganz natürlich, dass sich im Blut IgGs gegen verschiedene Nahrungsmittel befinden. Das Einzige, was sich daraus jedoch herleiten lässt ist, dass die entsprechenden Nahrungsmittel verzehrt wurden. Nicht mehr und nicht weniger. Bis zu 400 € geben Patienten für einen solchen Test aus, der jegliche wissenschaftliche Beweise entbehrt.

Die daraus resultierenden Anweisungen an den Patienten sind ebenso unsinnig, wie der Test selbst: Nicht selten ist das Resultat, dass Betroffene auf Milch, Eiweiß und Getreide verzichten soll. Die Frage ist nur: Wovon ernährt er sich dann noch?

Wer nicht isst hat auch keine Symptome

Wer auf fast alles verzichtet, der hat kaum noch etwas übrig, was Beschwerden hervorrufen kann. Entsprechend sieht es so aus, als war die Diagnose korrekt, der Test erfolgreich. Hinzu kommt – geht man bereits im Vorfeld von einer bestimmten Unverträglichkeit aus – dass ein Placebo-Effekt einsetzen kann. Denn auch unser Kopf kann Symptome wie Bauchschmerzen oder Übelkeit hervorrufen. Sind Sie davon überzeugt, dass Ihnen etwas nicht bekommt, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass dies auch der Fall ist. Lassen Sie entsprechendes Lebensmittel weg, tritt also eine Besserung ein.

Außerdem: Die Liste der vermeintlich unverträglichen Lebensmittel, die der Test-Anbieter herausgibt, ist lang. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass durch Zufall tatsächlich ein Lebensmittel dabei ist, dass nicht vertragen wird. Als Ergebnis wird dann aber wegen eines Lebensmittels auf viele verzichtet. Für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung, die dem Körper guttut, ist dies mehr als schädlich. Mangelerscheinungen können die Folge sein.

Natürlich sind Selbsttests nicht grundsätzlich zu verteufeln. Beispielsweise kann ein Symptomtagebuch Ihnen dabei helfen, eine Lebensmittelunverträglichkeit zu entlarven. Am Ende sollte jedoch immer ein Fachmann die Diagnose bestätigen und die Ernährungsumstellung begleiten.

 

Artikelbild: Fotolia © Hendrik Dolle

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