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Fructoseintoleranz Therapie

Therapie

Die Therapie der Fructoseintoleranz besteht in erster Linie in der Umstellung der Ernährung. Dabei geht es nicht darum, die Fructose völlig auszuschließen. Das ist nicht nötig und würde die Ernährung unnötig einschränken. Kleine Mengen an Fructose sind bei einer intestinalen Fructoseintoleranz verträglich. Allerdings ist die Situation bei jedem Betroffenen anders und muss deshalb individuell ausgetestet werden. Um den Körper bei der Aufnahme von Fructose zu unterstützen, hat sich der gleichzeitige Verzehr von Traubenzucker bewährt.

Glucose hilft beim Abbau von Fruchtzucker

Gute Erfahrungen machen Betroffene, wenn sie Fruchtzucker zusammen mit der als Traubenzucker bekannten Glukose aufnehmen. Am besten ist ein gleiches Verhältnis beider Zuckerarten. Der Grund liegt darin, dass der Abbau des Traubenzuckers auch den Abbau des Fruchtzuckers fördert. Daraus können wir drei Schlussfolgerungen ziehen:

  1. Das Augenmerk auf Früchte richten, die ein ausgewogenes Verhältnis von Glukose und Fructose aufweisen, zum Beispiel Pfirsiche oder reife Bananen.
  2. Vor dem Verzehr einer fructosehaltigen Mahlzeit etwas Traubenzucker zu sich nehmen.
  3. Früchte mit Traubenzucker bestreuen. Das ist geschmacklich oft problemlos möglich.

Der Verzehr von Traubenzucker stellt zwar keine Therapie der Fructoseintoleranz dar, jedoch verbessert es die Verträglichkeit von Fructose. Allerdings sollte die Dosierung sich in Maßen halten, weil Traubenzucker in größeren Mengen abführend wirkt. Durch größere Mengen Traubenzucker können sich ähnliche Beschwerden einstellen wie durch die Fructoseintoleranz. Früchte, besonders die mit viel Eigensüße, enthalten von Natur aus neben dem Fruchtzucker auch Traubenzucker. Diese Tatsache können sich Betroffene zunutze machen.

Früchte, die verträglich sind

Das optimale Verhältnis von Fruchtzucker zu Traubenzucker besteht, wenn beide Zuckerarten in gleicher Menge im Lebensmittel enthalten sind. Nachfolgend haben wir einige Nahrungsmittel zusammengestellt, die aufgrund ihrer Menge an Traubenzucker auch bei Fructoseintoleranz von vielen Betroffenen recht gut vertragen werden. Der Wert hinter dem Produkt gibt das Verhältnis von Fruchtzucker und Traubenzucker an.

  • Acerola: 1 : 1,0
  • Ananas: 1 : 0,9
  • reife Banane: 1 : 1,0
  • Brombeeren: 1 : 1,0
  • Clementine: 1 : 0,9
  • Erdbeeren: 1 : 0,9
  • Feige (frisch): 1 : 1,3
  • Grapefruit: 1 : 1,1
  • Holunderbeeren: 1 : 1,0
  • Limette: 1 : 1,0
  • Litchi: 1 : 1,5
  • Mandarine: 1 : 1,3
  • Pfirsiche: 1 : 1,7
  • Sauerkirschen: 1 : 1,2
  • Süßkirschen: 1 : 1,1
  • Wassermelone: 1 : 1,0
  • Weintrauben: 1 : 1,0
Diese Aufstellung zeigt lediglich eine Richtung an. Der Gehalt von Fruchtzucker und Traubenzucker kann je nach Sorte und Reifegrad der Früchte schwanken. Die individuelle Verträglichkeit hängt außerdem davon ab, wie viel Fruchtzucker bereits verzehrt wurde. Deshalb sollten Sie als Betroffene(r) stets nur eine kleine Menge verzehren. Günstig ist es, das Obst nach einer Mahlzeit zu sich zu nehmen.

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Zink für ein starkes Immunsystem

In einer Studie hat sich gezeigt, dass alle Teilnehmer mit Fructoseintoleranz auch gleichzeitig einen Zinkmangel aufwiesen. Obwohl man den genauen Zusammenhang noch nicht kennt, hat sich die Einnahme von Zink als sinnvoll bei der Therapie der Fructoseintoleranz herausgestellt.

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Zink hat im Körper verschiedene wichtige Funktionen. Das Spurenelement ist für das Immunsystem wichtig, für eine gesunde Haut und die Heilung von Wunden. Auch die Fruchtbarkeit wird durch Zink unterstützt. Da Zink im Körper nicht gespeichert werden kann, ist die tägliche Aufnahme über die Nahrung wichtig.

Folgende Nahrungsmittel sind besonders reich an Zink:

  • Eier
  • Fisch
  • Fleisch
  • grüner Tee
  • Hülsenfrüchte
  • Käse
  • Sprossen
  • Vollkornprodukte
Einige dieser Produkte sind für Menschen mit Fructoseintoleranz leider nicht besonders bekömmlich: Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte verursachen oft Blähungen und belasten den Darm. Bei vegetarischer oder veganer Ernährung wird die Auswahl noch weiter eingeschränkt. Menschen mit Fructoseintoleranz sollten daher über die Verwendung einer entsprechenden Nahrungsergänzung nachdenken. Weitere Gründe für diese Empfehlung liefert der Serumspiegel von Folsäure und Tryptophan, wie im nächsten Absatz erläutert wird.

Folsäure, das empfindliche B-Vitamin

Folsäure ist für den menschlichen Organismus lebenswichtig. Sie wirkt bei Stoffwechselvorgängen mit, hält das Herz-Kreislauf-System gesund und ist beteiligt an der Bildung der roten Blutkörperchen. Folsäure wird in der Schleimhaut des Dünndarms gebildet. Dafür jedoch muss die Darmschleimhaut gesund sein und eine ausgewogene Besiedlung mit „guten“ Darmbakterien aufweisen.

Bei Patienten mit Fructoseintoleranz wurden niedrigere Folsäurewerte festgestellt als bei gesunden Personen. Als Grund dafür vermutet man die krankhafte Veränderung der Darmflora. Besonders die unteren Darmabschnitte sind ständig mit nicht resorbierter Fructose konfrontiert und dadurch stark belastet. Um den Folsäurespiegel zu messen, entnimmt der Arzt eine Blutprobe. Ist der Folsäurespiegel zu niedrig, liest er das am Folsäuregehalt der roten Blutkörperchen ab sowie an der verminderten Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen.

Zeichen für Folsäuremangel

Da Folsäure an mehreren wichtigen Abläufen im Körper beteiligt ist, macht sich ein Mangel auf vielfache Art bemerkbar:

  • Neigung zu Depressionen
  • Konzentrationsmangel
  • veränderte Blutgerinnung
  • verzögerte Wundheilung
  • erhöhte Neigung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • erhöhtes Risiko für Herzinfarkt

Es ist also sehr wichtig, in die Therapie der Fructoseintoleranz die Aufnahme von Folsäure mit einzubeziehen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.

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Aufnahme von Folsäure

Folsäure ist ein Vitamin, das sehr empfindlich ist. Der Reifegrad der Nahrungsmittel, Licht, Sauerstoff und Hitze beeinflussen deren Folsäuregehalt. Auch bei schonender  Zubereitung gehen 50 bis 90 Prozent der Folsäure verloren. Folsäure ist in folgenden Lebensmitteln besonders reichlich enthalten:

  • Leber
  • Milch
  • Vollkornprodukte
  • Bohnen
  • Spinat
  • Brokkoli
  • Porree
  • Grünkohl
  • Gründe Bohnen
  • Eichblattsalat
  • Spinat
Frische Lebensmittel sollten vor dem Verzehr nur kurz und kühl gelagert werden. Gemüse und Salat werden nicht gewässert, sondern vor dem Zerkleinern kurz abgespült. Für Gemüse ist das schonende Dünsten dem Kochen und Braten vorzuziehen. Eine sichere Methode, um ausreichend Folsäure aufzunehmen, ist die Einnahme eines guten Nahrungsergänzungsmittels. Als Therapie der Fructoseintoleranz ist die Einnahme von Folsäure sehr zu empfehlen.

Tryptophan: Wichtig für die Stimmung

Nicht nur der Mangel an Folsäure drückt auf die Stimmung, auch der Mangel an Tryptophan hat diesen Effekt. Tryptophan ist eine Aminosäure, die für die Bildung des „Glückshormons“ Serotonin dringend benötigt wird. Die Mediziner gehen davon aus, dass die Fructoseintoleranz das Tryptophan daran hindert, in den Blutkreislauf einzutreten. Stattdessen bindet es sich an die Moleküle der nicht resorbierten Fructose. Das gebundene Tryptophan steht dann nicht mehr für die Bildung des Glückshormons Serotonin zur Verfügung, so dass ein Mangel daran entsteht.

Serotoninmangel zeigt sich in Schlafstörungen, gedrückter Stimmung, Antriebsschwäche bis hin zur Depression. Da Serotonin auch das Sättigungsgefühl steuert, gehört auch der Heißhunger auf süße Nahrungsmittel zu den Folgen des Serotonin-Mangels. Wird nun Süßes gegessen, steigt der Insulinspiegel und die Stimmung hellt sich kurzzeitig auf. Die Blut-Hirn-Schranke öffnet sich, um das erwartete Tryptophan hindurchzulassen. Da viele süße Nahrungsmittel Fruchtzucker enthalten, beginnt jedoch der Teufelskreis aus gehemmter Tryptophanaufnahme und reduzierter Produktion von Serotonin von Neuem.

Tryptophan aufnehmen

Da unser Körper das Tryptophan nicht selbst bilden kann, müssen wir es regelmäßig zuführen. Dazu eignen sich folgende Nahrungsmittel:

  • Amaranth
  • Cashewkerne, Paranüsse
  • Dinkel
  • Hirse
  • Kakaopulver
  • Käse
  • Pilze
  • Quark
  • Soja (Sojamilch, Tofu)
  • Sonnenblumenkerne
  • Weizenkeime
Wichtig dabei ist, dass die pflanzlichen Nahrungsmittel unbehandelt verzehrt werden. Sie sollten gründlich gekaut und gut eingespeichelt werden, das erleichtert die Aufnahme des Tryptophans. Menschen mit Fructoseintoleranz müssten recht große Mengen der tryptophanhaltigen Nahrungsmittel verzehren, da sich ein gewisser Teil weiterhin an die ebenfalls aufgenommenen Fructosemoleküle bindet. Zur Therapie der Fructoseintoleranz eignet sich deshalb zusätzlich die regelmäßige Einnahme eines speziellen Nahrungsergänzungsmittels mit Tryptophan.

Antibiotikatherapie bei Fructoseintoleranz

Antibiotika greifen die Darmflora an, das wollen sich die Mediziner zunutze machen. Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Fructoseintoleranz und der Anzahl und Wirksamkeit der Darmbakterien. Patienten mit weniger dicht besiedelter Darmflora hatten nach dem Verzehr von Fruchtzucker weniger Beschwerden als die Patienten mit einer sehr dicht besiedelten Darmflora. Die Forscher glauben, dass der Zersetzungsprozess der Fructose durch die Darmbakterien für die meisten Symptome der Fructoseintoleranz verantwortlich ist. Die Schlussfolgerung könnte darin bestehen, die Darmflora mit Hilfe von Antibiotika für einige Zeit zu reduzieren.

Bisher wird diese Therapie jedoch nur in besonders schweren und hartnäckigen Fällen empfohlen und ist nicht Bestandteil der Standardtherapie bei Fructoseintoleranz. Von Eigenversuchen ist dringend abzuraten, da die Zerstörung der probiotischen Darmflora durch Antibiotika ihrerseits erhebliche, teils langfristige Verdauungsstörungen nach sich zieht. Ein weiterer Therapieansatz, der in die gleiche Richtung zielt, ist der gezielte Aufbau der Darmflora mittels „guter“, probiotischer Darmbakterien in hoher Anzahl. Hierfür hat sich auch der Begriff Darmsanierung etabliert.

Quelle: Schleip, Thilo: Fruchtzuckerintoleranz – Wenn Fruchtzucker krank macht. TRIAS Verlag. ISBN: 978-3830433958

Bildnachweis: © BillionPhotos.com – Fotolia

 

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Fructophan - Für ein entspanntes Leben mit Fructoseintoleranz