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Diagnose der Fructoseintoleranz

Diagnose Fructoseintoleranz

Haben Sie schon länger den Verdacht, dass bei Ihnen die Diagnose Fructoseintoleranz zutrifft? Dann stehen Sie vor der Frage: Wer stellt führt die Diagnose durch? Wie sieht die Therapie aus? Und was kann ich selbst tun? Je gründlicher Sie den Arztbesuch vorbereiten, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit auf rasche Hilfe durch den Arzt.

Das Ernährungstagebuch

Wenn Sie Ihrem Arzt ein Ernährungstagebuch zeigen können, liefern Sie ihm damit wertvolle Hinweise für die Suche nach der Ursache Ihrer Beschwerden. Nur fünf Punkte notieren Sie nach jeder Nahrungsaufnahme:

  1. Datum und Uhrzeit
  2. Was haben Sie gegessen? Was haben Sie getrunken?
  3. Wie viel haben Sie gegessen oder getrunken?
  4. Wie fühlen Sie sich direkt nach der Mahlzeit?
  5. Wie entwickelt sich Ihr Wohlbefinden bis zur nächsten Mahlzeit?

In die Spalten 4 und 5 gehören alle Angaben über Ihr Wohlbefinden. Auch dann, wenn es scheinbar keinen Bezug zu Ihrer Mahlzeit gibt. Bei Verdauungsbeschwerden ist der Zusammenhang noch nachvollziehbar, zum Beispiel:

  • Blähbauch
  • Bauchkrampfe
  • unruhiger Darm
  • Sodbrennen
  • Durchfall

Schwerer wird es schon bei seelischen Symptomen, doch auch diese notieren Sie bitte unbedingt in Ihr Tagebuch. Falls es einen Zusammenhang zu Nahrungsmitteln und Getränken gibt, werden Sie diesen bald feststellen. Seelische Symptome können sein:

  • gedrückte Stimmung
  • Schwächegefühl
  • innere Unruhe
  • Müdigkeit
  • Anspannungsgefühl

Am schwersten ist es bei Allgemeinsymptomen. Diese sind so schwer zuzuordnen, dass Sie vielleicht vergessen, sie zu notieren. Beispiele sind:

  • subjektives Krankheitsgefühl
  • Schwindelgefühl
  • Kopfschmerzen
  • unreine Haut

Wenn sie Ihr Ernährungstagebuch mindestens vier Wochen lang geführt haben, halten Sie Ausschau nach einem Arzt. Welcher Arzt ist der richtige Ansprechpartner für Sie? Und was wird er tun?

Welcher Arzt stellt die Diagnose?

Ideal ist es, wenn der Arzt Ihrer Wahl über eine Ausbildung in Ernährungsmedizin verfügt. Die Ernährungsmedizin ist eine fachübergreifende medizinische Disziplin, die sich mit dem weitern Gebiet der menschlichen Ernährung befasst. Diese Zusatzausbildung können Ärzte verschiedener Fachrichtungen erwerben.

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Der Hausarzt: Er ist oft ein Facharzt für Allgemeinmedizin. Er ist spezialisiert auf die langfristige Betreuung von Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen. Ihm liegen alle früheren Befunde vor, egal ob es sich um Laborbefunde, EKG’s, Ultraschall- oder Röntgenaufnahmen handelt. Er kann sich also Ihre Beschwerden in Ihr allgemeines Gesundheitsbild einordnen. Das kann für die Behandlung ein großer Vorteil sein.

Der Internist: Er ist ein Facharzt für Innere Medizin. Seine Gebiete sind alle inneren Organe: Herz-Kreislaufsystem, Nieren, Blut, Gefäße, Stoffwechsel und einige mehr. Auch die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Verdauungssystems (Gastroenterologie) gehören dazu.

Der Gastroenterologe: Er ist ein Spezialist für alle Symptome und Erkrankungen rund um den Magen (griechisch: Gastro) und den Darm (griechisch: Enteron). Zu seinem Gebiet gehören auch die Untersuchung von Galle, Leber und Bauchspeicheldrüse. Die Gastroenterologie ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin.

Je nach Gesetzeslage können Sie direkt einen Spezialisten aufsuchen oder benötigen eine Überweisung von Ihrem Hausarzt. Auskunft darüber erteilt Ihre Krankenkasse oder der Arzt Ihrer Wahl. Wie bereiten Sie sich auf Ihren Arzttermin vor? Dafür gibt es bewährte Empfehlungen.

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Das erste Gespräch beim Arzt

Das erste Gespräch beim Arzt heißt Anamnese. Auch dieser Begriff stammt aus dem Griechischen: Anámnēsis bedeutet „Erinnerung“. Der Arzt stellt Ihnen gezielte Fragen, um sich ein möglichst umfassendes Bild von Ihrem Befinden zu machen. Dazu gehören folgende Fragen:

  • Vorerkrankungen
  • chronische Erkrankungen bei Verwandten ersten Grades
  • Einnahme von Medikamente
  • Abhängigkeiten (zum Beispiel von Alkohol)
  • Impfungen
  • Lebenssituation
  • Erkrankungen, Allergien, Unverträglichkeiten
  • aktuelle Beschwerden

Zu den aktuellen Beschwerden sollten Sie Ihre Angaben so genau wie möglich machen:

  • Seit wann leiden Sie unter den Beschwerden?
  • Welche Körperregionen oder Organe sind betroffen?
  • Wann treten die Beschwerden auf?
  • Treten sie vor, während oder nach den Mahlzeiten auf?
  • Stellen sie die Beschwerden nach dem Genuss bestimmter Nahrungsmittel fest?
  • Wie ist Ihr seelisches Befinden?
  • Leiden Sie unter Veränderungen oder Schwankungen Ihrer Stimmung?
  • Wie ernähren Sie sich?

Falls der Arzt aufgrund der Anamnese sofort die Diagnose Fructoseintoleranz vermutet, wird er einen H2 Atemtest durchführen.

Der H2 Atemtest

Für die Diagnose Fructoseintoleranz ist der H2 Atemtest die gängigste Methode. Allerdings kommt sie nur in Betracht, wenn sicher ausgeschlossen werden kann, dass eine hereditäre Fructoseintoleranz vorliegt. Es kommt sehr selten vor, dass diese erblich bedingte Form der Fructoseintoleranz bei Erwachsenen unentdeckt besteht. In diesem Fall steht ein zuverlässiger Gentest zur Verfügung, für den eine kleine Menge Blut abgenommen wird.

Den H2 Atemtest gibt es seit 1975. Er ist in jeder Arztpraxis durchführbar, die mit den handlichen Geräten ausgestattet ist, die mittlerweile preiswert erhältlich sind.

Wie funktioniert der H2 Atemtest?

Wird im Dünndarm die Fructose nur unzureichend aufgenommen, wandert sie in den Dickdarm weiter. Während die Bakterien dort die Fructose zerlegen, entstehen die Gase Methan (CH4), Kohlendioxid (CO2) und Wasserstoff (H2). Die Gase verlassen als Blähungen den Körper. Darüber hinaus gelangt der Wasserstoff über die Blutbahn in die Lunge. Von hier wird das Gas ausgeatmet und lässt sich mit speziellen Messgeräten nachweisen.
Der Atemtest findet morgens oder am Vormittag in Ihrer Arztpraxis statt. Damit das Untersuchungsergebnis korrekt ist, müssen Sie einige Regeln einhalten:

  • Die letzte Mahlzeit am Vorabend sollte nicht zu schwer sein.
  • Zwölf Stunden vor der Untersuchung dürfen Sie keine Nahrung mehr zu sich nehmen.
  • Auch Zwiebeln und Knoblauch sind am Tag vorher tabu.
  • Am Morgen der Untersuchung putzen Sie sich nicht die Zähne, kauen auch keinen Kaugummi.
  • Außerdem ist am Morgen der Untersuchung das Rauchen verboten.

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So läuft der H2 Atemtest ab

Zunächst stellt der Arzt den „Nüchternwert“ an Wasserstoff in der Atemluft fest. Hierzu blasen sie Ihren Atem in ein elektronisches Messgerät. Der Wasserstoffwert wird in der Einheit ppm angezeigt. Das ist eine englische Bezeichnung für „Parts per Million“, also Teile von einer Million.
Liegt der Nüchternwert über 10 ppm, ist das ein Hinweis darauf, dass Sie eine der Verhaltensregeln nicht beachtet haben. Sie erhalten dann einen neuen Untersuchungstermin.

Liegt der Nüchternwert unter 10 ppm, kann die Untersuchung fortgesetzt werden. Sie erhalten eine moderat temperierte Lösung aus 250 ml Wasser und 25 Gramm Fructose. Diese sollen möglichst rasch trinken. In den nächsten zwei Stunden wird im Abstand von 30 Minuten der Wasserstoffgehalt in Ihrem Atem gemessen. Die Ergebnisse werden notiert und in einer Kurve dargestellt.

Steigt der Wert um mindestens 20 ppm über dem Ausgangswert an, ist das ein Hinweis auf eine Fructoseintoleranz. Erhärtet wird dieser Verdacht noch durch auftretende Symptome: Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall.

Tipps für die Untersuchung:

  • Planen Sie für die Untersuchung mindestens zwei Stunden ein.
  • Vermeiden Sie unbedingt körperliche Anstrengungen zwischen den Messungen.
  • Bleiben Sie in der Nähe einer Toilette.

Der „Non-Producer-Status“

Liegen die gemessenen Wasserstoff-Werte über 20 ppm, werden sie als „positiv“ bezeichnet. Die Diagnose Fructosetinoleranz ist damit bestätigt. Der Wert kann bis zu 200 ppm ansteigen. Mit einem solch eindeutigen Testergebnis können etwa 90 Prozent der Betroffenen rechnen. Bei den übrigen 10 Prozent muss genauer nachgeforscht werden.

Bei 10 Prozent der Betroffenen schließt ein Wert unter 20 ppm  eine Fructoseintoleranz nicht sicher aus. Bei ihnen liegt möglicherweise der „Non-Producer-Status“ vor. Dafür gibt es zwei mögliche Gründe:

Enthält die Darmflora keine Bakterien, die Wasserstoff produzieren, verändert sich der H2-Wert beim Ausatmen nicht. Das kann eintreten, falls Sie einige Tage oder Wochen vor dem Test Antibiotika einnehmen mussten. Die Antibiotika können die Wasserstoff produzierenden Bakterien zerstört haben.

Eine andere Ursache für falsch-negative Messwerte liegt ebenfalls bei den Bakterien: Manche Bakterien im Darm verbrauchen den gesamten Wasserstoff, um das Methan zu produzieren. So ist der gemessene Wasserstoffgehalt unauffällig, obwohl eine Fructoseintoleranz vorliegt.

Noch mehr Tests zur Diagnose

Vermutet der Arzt aufgrund Ihrer Symptome eine Fructoseintoleranz und sind die Messwerte unauffällig, wird er einen Non-Producer-Status vermuten. Dann stehen ihm zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

  1. Die Methananalyse: Zeitgleich mit dem Test auf Wasserstoff wird die ausgeatmete Luft auf Methan getestet. Dieses Verfahren erhöht die Genauigkeit des Tests auf fast 100 Prozent. Allerdings ist die Methangasanalyse nur in wissenschaftlichen Labors möglich.
  2. Der Lactulose-Test: Er verläuft ähnlich wie der H2 Atemtest und kann von Ihrem Arzt selbst durchgeführt werden. Bei diesem Test trinkt der Patient eine Lösung aus Wasser und Lactulose. Diese Zuckerart kann der Körper nicht verwerten. Es wäre also auch bei einem gesunden Menschen ein Anstieg der H2-Konzentration bei der Ausatmung zu erwarten. Bleibt dieser Anstieg aus, gilt der Non-Producer-Status als gesichert. Die Diagnose Fructoseintoleranz ist damit bestätigt.

Quelle: Schleip, Thilo: Fruchtzuckerintoleranz – Wenn Fruchtzucker krank macht. TRIAS Verlag. ISBN: 978-3830433958

Bildnachweis: © Gina Sanders – Fotolia.com

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